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Siegel und Wappen des Marktes

Wachsabguß, Siegel von 1374Pfarrkirchens wohlbekanntes Wappenbild - der schreitende Panther über der doppeltürmigen Kirche - kann auf eine vielhundertjährige Geschichte zurückblicken, auch wenn es sich nicht immer so darstellte wie heute. Das älteste Siegel des herzoglichen Marktes stammt aus dem Jahr 1374 und zeigt im Gitterfeld eine Kirche mit einem Spitzdachturm, vor dem eine Vorhalle steht, während das Dach der auffallend hohen Apsis ein Kreuz mit Wetterhahn trägt. Die lateinische Siegelumschrift lautet: "S. CIVIVM. IN. PHARCHIRCHEN", übersetzt: Siegel der Bürger in Pfarrkirchen.
Es hängt übrigens in neunfacher Ausfertigung an den neun Niederschriften des sog. Großen Brandbriefes vom 25. November 1374, in dem sich der Landesfürst und die Stände (Adel, hoher Klerus und Städte) verpflichteten, gemeinsam "gegen brenner oder mordbrenner, straßenräuber oder dieb" vorzugehen. Diese neun gleichlautenden Urkunden nennen die Archivare gerne die 'Igel', weil sie von Siegeln geradezu starren, wie der Igel von Stacheln. An den Brandbriefen hängen tatsächlich Dutzende von Siegeln des Landesfürsten wie von den Adeligen und den Städten und Märkten Altbaierns, unter ihnen auch dieses älteste Pfarrkirchner Marktsiegel mit dem Durchmesser von 41 mm.
Auch das zweitälteste Marktsiegel von 1434 führt noch die eintürmige Kirche im Bild, hier allerdings seitenverkehrt, d. h. der Turm ist nach links gestellt.
Weil die Siegel verkleinerte Wappenbilder darstellen, gelten für sie die gleichen heraldischen Regeln, als wichtigste die Seitenbenennung:
Schild und Wappenbild werden dem Partner oder Gegner gezeigt. Die Beschreibung des Wappenbildes ist vom Standpunkt des Trägers auszugehen: Die rechte Bildseite ist also die (heraldisch) linke und umgekehrt.
Im Siegel von 1434 erkennt man die Umschrift nur undeutlich: 'sigillvm in pfarchirchen' - Siegel in (oder von) Pfarrkirchen. Es hat einen Durchmesser von 36 mm.
Kaum 20 Jahre nach dem zweiten Siegel erhielten Rat und Bürgerschaft des Marktes Pfarrkirchen aus der Hand des niederbairischen Herzogs Heinrichs des Reichen einen neuen Wappenbrief. Am 10. März 1447 nämlich erlaubte der Herzog seinen "lieben und getreuen Bürgern des Markts zu Pfarrkirchen" für ihre bis dahin unverdrossenen Dienste, "daß Sy füran einen Schilt haben und füren sullen und mögen, der hlab unten plau und halben oben weis, über der Zwirich sey, und in dem plaben tail ein weisse Kürchen und in dem weissen Obertail des Schilts ein Rots ganz Panthell  ... " (daß sie fortan ein Wappen führen dürfen, das in der unteren Hälfte blau mit einer weißen Kirche, in der oberen weiß 'überzwerch' einen roten Panther zeigt). Heinrichs des Reichen Wappenbrief für Pfarrkirchen beurkundete somit eine Wappenmehrung. Zum bisherigen Siegelbild der eintürmigen Kirche trat nun eine auszeichnende Erweiterung hinzu, der niederbairische Panther, ursprünglich das Wappentier der Grafen von Ortenburg und Pfalzgrafen 'von dem Rottal'. Dieses Tierbild hatte Herzog Heinrich XIII. seit dem Zugewinn des Ortenburgischen Güterkomplexes 1248/1260 und mit der gleichzeitigen Errichtung des Viztumamts bei der Rott als eigenes Wappentier übernommen. So kann es nicht weiter verwundern, wenn der Panther auch in den Siegeln und Wappenbildern benachbarter Städte und Märkte des Herzogtums Niederbaiern aufscheint, am frühesten in Reichenhall 1290, Eggenfelden und Vilsbiburg 1374, Neumarkt-St.Veit 1505. Während das Ingolstädter Wappentier merkwürdigerweise einen blauen Panther darstellt, war der Landshuter Panther, damit auch der Pfarrkirchner Panther, von Anfang an rot in weißem Feld gezeichnet, wie es der Wappenmehrungsbrief von 1447 eben vorgeschrieben hat: "in dem weissen Obertail des Schilts ein Rots ganz Panthell ... ". Seit dieser Zeit verwendeten Camerer und Rat des Marktes Pfarrkirchen ein reizvoll geschnittenes Siegel, dessen vermehrtes Wappenbild ein Sechspaß umfaßte und dessen Umschrift (mit landes- und zeitüblichen Schreibfehlern) lautet: "sigillum opidis in pfairkirichen rotte" (Opidis statt oppidi, pfairkirichen statt pfarrkirchen, rotte = an der Rott). Auch dieses Siegel führt in der unteren Schildhälfte nur den einen, nach links gestellten Kirchturm. In einem weiteren Siegel von 1649 erscheint im Abdruck die Schildteilung nicht mehr, dafür der Turm bis zum oberen Rand überhöht, weshalb dem Panther nur noch ein enger Raum über dem Dach des Kirchenschiffes verblieb. Offensichtlich gefiel diese willkürliche Neuerung eines mehr oder weniger begabten Siegelschneiders, daß man sie beibehielt. Ein anderes Siegel aus dem gleichen Jahr 1649 - ein Jahr nach dem Ende des unseligen 30-jährigen Krieges - war aus dem niederbairischen Panther (aber nur vorübergehend) - ein Löwe geworden. In den folgenden Siegelbildern taucht aber nun immer häufiger in der unteren Schildhälfte eine doppeltürmige Kirche auf statt der siegelgerechten Kirche mit einem Turm, so in Philipp Apians bairischer Wappensammlung von 1568/89 "zur Feier des 400jährigen Herrscherjubiläums des erlauchten Hauses Wittelsbach" oder auch im Wappenbuch der Landschaft mit den Wappen aller 80 bairischen Märkte. Während der Irrtum dieser ortsfernen Wappenmaler noch zu übersehen ist, kann die mehr oder weniger bewußte Wappen- und Siegelverfälschung durch die Feder des Pfarrkirchner Marktschreibers Adam Regensburger nicht entschuldigt werden. Er hat nämlich die Titelblätter seiner zwei großen Marktbücher, des Statutenbuchs wie des Ratswahlbuchs, liebevoll mit dem Marktwappen ausgemalt: die namengebende Kirche zeigt sich jedesmal zweitürmig und nach rechts gestellt. Aber - Adam Regensburger hat die Pfarrkirche von Pfarrkirchen um 1600 tatsächlich mit zwei Türmen gesehen. Heute noch steht der markante Nordturm, der Südturm ist 1648 wahrscheinlich nach einem Brand eingestürzt und nicht wieder aufgerichtet worden, als Stumpf allerdings auf den ältesten Ansichten gut zu erkennen. Dessen Grundmauern hat der Kirchenumbau 1971/73 wiederentdeckt.
Ein Marktsiegel aus dem 18. Jahrhundert allerdings zeigt das vermehrte Wappenbild noch einmal einigermaßen originalgetreu: Über dem Dach des Langhauses der nach rechts schreitende Panther, der eine Turm streckt sich bis zum oberen Rand, und das ganze Siegel umgibt eine barocke Schnörkeleinfassung. Um so prägnanter und kürzer die Siegelumschrift: 'MARCKH PFARR KIRCHEN'
Der neu organisierte bayerische Staat führte zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch eine Wappen- und Siegelrevision durch. Darüber schrieb der Altmeister der deutschen Wappenforschung Otto Hupp u. a.: "Im neuen Königreich Bayern aber griff das Ministerium Montgelas so umfassend, gewalttätig und rücksichtslos ändernd in die Wappen der Städte und Märkte, wie es sonst auf deutschem Boden nicht vorgekommen ist, weder vorher noch nachher" (O. Hupp 26). Wohl hat damals der historisch und künstlerisch gesinnte Kronprinz Ludwig nach dem Sturz Montgelas', der ja auch die erbarmungslos vollzogene Säkularisation in Bayern zu verantworten hatte, "mit persönlicher Neigung und Anteilnahme an der Wiedereinführung der alterwachsenen Ortswappen" (O. Hupp 26) gearbeitet, doch konnte auch er nicht mit der ungeheuren Verwirrung der alten Wappenordnung zurechtkommen. Trotz zahlloser Nachforschungen, Gutachten, Berichte und Reskripte von 1830 bis zum tragischen Rücktritt des Königs Ludwig I. (20. März 1848) war nur ein Bruchteil der schwebenden heraldischen Fragen zu Hunderten von Stadt-, Markt- und Ortswappen geklärt werden, wie Otto Hupp feststellte: "Im großen und ganzen blieb das alles bis heute so liegen. So kommt es denn, daß man jetzt in Bayern, wenn man sich von den bekannten Wappen der großen Städte zu denen der kleineren Orte wendet, in einen Sumpf von Zweifeln, Unbestimmtheiten und Widersprüchen gerät"
(O. Hupp 27).

Wappen mit rotem Panther auf weißem Grund im oberen Drittel, der Rest zeigt eine weiße Kirche mit zwei Satteldach-Türmen links und einem goldenen Hahn rechts

Genau diese Feststellung trifft auch auf das Pfarrkirchner Marktwappen zu. Das Edikt über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinden des Königreichs Bayern vom 17. Mai 1818 gestattete den Bürgermeistern der Städte und Gemeinden, "zur Auszeichnung eine vom Kgl Münzamt auszuführende silberne Medaille mit dem Ortswappen am hellblauen Bande zu tragen" (O. Hupp 29). Eine Bürgermeistermedaille aus jener Zeit ist erhalten geblieben und wird im Amtszimmer des Bürgermeisters im Neuen Rathaus verwahrt. Gerade diese Medaille scheint daran schuld zu sein, daß das siegelgerechte und einzig richtige Wappenbild mit der eintürmigen und namengebenden Pfarrkirche durch ein bedeutungsloses Kirchengebäude mit zwei Satteldachtürmen verdorben und verdrängt worden ist - bis heute; denn auch das heutige Stadtwappen weist dieses abgefälschte Bild auf. Nur Wening, dessen Künstlerhänden der weithin bekannte Kupferstich des umschlossenen Marktes aus der Zeit um 1710/20 zu verdanken ist, stach das Pfarrkirchner Marktwappen ganz richtig mit der eintürmigen Kirche. Er hatte sicher als Vorlage die alten Siegel vor sich, auf denen auch niemals eine doppeltürmige Kirche erscheint; und gerade die alten Siegel "sind zuverlässigere Quellen für das Ortswappen als die irgendwo gemalten Wappendarstellungen"

(O. Hupp 27)

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