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Vorgeschichte der Stadterhebung

Die für einen mitten im niederbayerischen Hügelland abseits der großen Straßenzüge gelegenen Markt unverhältnismäßig hohe Bevölkerungszahl, dazu eine Reihe wichtiger Gerichte, Ämter und Behörden sind es wohl gewesen, die den damaligen Bezirksamtmann Franz Christoph, einen tatkräftigen und vermutlich auch ehrgeizigen höheren Beamten, geradezu gedrängt haben, die Erhebung des alten Marktes Pfarrkirchen zur Stadt mit aller Entschiedenheit in die Wege zu leiten. Sein Anlaß war die Installierung eines Bezirksgerichts im Markt Pfarrkirchen mit Wirkung vom 1. Juli 1862. Deshalb hatte er schon am 10. Februar 1862, noch ehe hier die kgl. Verordnung über die Errichtung dieser nächsthöheren Gerichtsinstanz in Pfarrkirchen offiziell eingetroffen war, an die Regierung des Kreises Niederbayern in Landshut geschrieben mit der Bitte, ihm mitzuteilen, wie hoch eine Taxzahlung für die eventuelle Stadterhebung seines Amtssitzes ausfallen würde. Christoph schrieb darin wörtlich: „Es besteht die Absicht, aus Anlaß der bevorstehenden Errichtung eines Bezirksgerichts dahier ein allerunterthänigstes Gesuch um allergnädigste Erhebung des Marktes Pfarrkirchen zur Stadt einzubringen, nachdem einerseits der Sitz eines Bezirksgerichts gewiß doch nur in einer Stadt seyn soll, andererseits der hiesige Markt durchaus städtisch gebaut, bey namhaften Stiftungsvermögen ist und schon jetzt eine Bevölkerung von 1964 Seelen zählt, sohin größer als einzelne Städte und sämtliche Märkte Niederbayerns ist. Die einzige Befürchtung bey dem vorhablichen Gesuch besteht darin, es möchte eine Über-Tax und Stempelgebühr für eine derartige Erhebung zu bezahlen seyn ... “ Den entsprechenden Antrag sollten auf jeden Fall Magistrat und Bürgermeister des Marktes selber stellen, natürlich auf dem Dienstweg über Bezirksamt und Regierung von Niederbayern an das kgl. Staatsministerium des Innern und direkt auf den Schreibtisch S. M. des Königs. Aber über ein halbes Jahr lang geschah nichts von seiten der Marktobrigkeit, bis im 0ktober 1862 dem Herrn Bezirksamtmann der Geduldsfaden riß und er den Magistrat förmlich anmahnte, keineswegs zögerlich, sondern eher dringlich, ja apodiktisch: „Schon mehrfach und insbesondere aus Anlaß der von Sr. Maj. allergnädigst verfügten Bestimmung Pfarrkirchens zum Sitz eines Bezirksgerichts hat der Unterfertigte gegen den Magistrat mündlich den Wunsch kundgegeben, die Gemeinde solle endlich sich dazu verstehen, an Se. Maj. den König das alleruntertänigste Gesuch um Erhebung zur Stadt zu stellen. Da nun die bisherigen mündlichen Andeutungen von der Gemeinde nicht beachtet wurden, ...wird der Magistrat hiermit durch förmliches Dekret dazu veranlaßt, ...Schritte dafür zu tun, daß Pfarrkirchen durch allerhöchste Verfügung aus der Reihe der Märkte - das ist nach dem Sprachgebrauche und dem weitaus vorherrschenden thatsächlichen Verhältnisse, daß Marktflecken nur kleinere Orte sind - aus der Gemeinschaft solcher Orte von geringer Bedeutung ausgeschieden und dem Kreis der vaterländischen Städte einverleibt wird.

Der kgl. Bezirksamtmann Christoph“.

Das war deutlich genug - für die Magistratsräte und die Gemeinde-Bevollmächtigten. Immerhin hatte ihr Vorsitzender, der Bürgermeister Moritz Raumer, Chirurg von Beruf, ‘Pfarrkirchens Sternstunde’ erkannt; denn nun nahm er die Angelegenheit forsch in die Hand und machte sie sozusagen ‘zur Chefsache’, indem er das notwendige historische Material sammelte, einen Situationsplan des Marktes zeichnen und eine Zwischenbilanz der Stiftungen im Markt erstellen ließ. Dann traten die beiden Ratsgremien zur Beratung und Beschlussfassung zusammen, so daß am 22. November 1862 folgendes ‘hochoffizielle Gesuch’ beim Kgl. Bezirksamt einging, das es postwendend an die Kgl. Regierung von Niederbayern nach Landshut weiterleitete. Adressat war natürlich S. Maj. der König: „Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König! Allergnädigster König und Herr! Allerunterthänigst treugehorsamste Vorstellung und Bitte des Markts-Magistrats und der Gemeinde-Bevollmächtigten in Pfarrkirchen um allergnädigste Erhebung des Marktes Pfarrkirchen zur Stadt.
Die allerehrfurchtsvollst unterzeichneten Vertreter der Gemeinde Pfarrkirchen nahen sich dem erhabenen Throne Euerer Königlichen Majestaet und legen an den Stufen desselben die allerunterthänigste Bitte nieder: Euere Königliche Majestaet wollen allergnädigst auszusprechen geruhen, daß Pfarrkirchen unter Beibehaltung des hergebrachten hier beiliegenden Wappens (Beilage I) in die Reihe der allerhöchst Ihrer Städte einzutreten habe und erlauben sich diese allerunterthänigste Bitte mit nachstehenden Motiven zu unterstützen“.
Nun folgte eine verkürzte Darstellung der Geschichte des Marktes ab 1250, als Pfarrkirchen zum ‘Hauptsitz des oberen Vitzthumamtes von Niederbaiern“ bestimmt wurde. Die Begründung aus der zeitgenössischen Geschichte der Siedlung rundete diese Pfarrkirchner Selbstdarstellung ab:
„ ... Sitz eines kgl. Bezirksgerichts und Bezirksamtes ... schon früher ... Sitz des kgl. Landgerichts und Rentamts ... Pfarrkirchen zählt zur Zeit über 2000 Seelen und 261 Häuser in 3 Distrikten, darunter 4 Kirchen-, 2 Schul-, 4 königliche und 10 Gemeinde-Gebäude (Beilagen II und III: Situationsplan, gezeichnet von Zimmerermeister Chrysant Wieselhuber, mit Beschreibung) ... Die Bauart der Häuser ist eine durchaus städtische, die Straßen sind gepflastert, der Ort ist mit Ringmauern umgeben, auf den Wällen befinden sich schöne Anlagen; der Gartlberg mit seiner herrlichen Wallfahrtskirche, welcher noch im Weichbilde liegt, dann die hart an Pfarrkirchen vorbeifließende Rott gewähren dem Orte auch von der Ferne eine freundliche Ansicht. Pfarrkirchen hat nach dem ... beigefügten Verzeichnisse ein Gemeinde- und Stiftungs-, dann Kirchenvermögen von 430 208 Gulden 55 1/3 Kreuzer ... die gemeindlichen Verhältnisse sind im Allgemeinen durchgehends geordnet (Beilage IV), für die Bildung der Jugend ist durch gute Knaben- und Mädchen-Elementarschulen gesorgt. Fast alle Gewerbe sind mehr als genügend dahier vertreten; für die Communication ist durch die Anlage guter Straßen, Postomnibus- und Stellwagen-Fahrten, für den Waaren-Transport durch sichere Boten-Verbindungen längst Vorsorge getroffen worden ... “ Das Gesuch schließt mit der üblichen Treueerklärung gegenüber dem angestammten Herrscherhaus mit diesem beachtenswerten Satz:
„ ... ist es unserem Herzen auch hier Bedürfnis, in den Gefühlen der Treue und Anhänglichkeit Ausdruck zu geben und die Versicherung beizufügen, daß Pfarrkirchen wie in den früheren Jahrhunderten so auch in kommenden Zeiten mit Gut und Blut seine unverbrüchliche Lieb’ und Treu’ gegen den erhabensten Thron der Wittelsbacher treu bewahren wird ... ersterben in allertiefster Ehrfurcht Euerer Königlichen Majestaet allerunterthänigst treugehorsamster Magistrat und Gemeindebevollmächtigte von Pfarrkirchen. Pfarrkirchen, den 22. November 1862.“
Es folgen die Unterschriften des Bürgermeisters und der sechs Magistratsräte, sowie der 15 Gemeinde-Bevollmächtigten.

„Raumer Schwegerl Sinzinger Henne
  Maurer Alexander Geiger Bachl
  Lammer Fellner Dunst
  Rutschmann Lechleuthner Pollinger
  Sinzinger Eigl Hillenbrand
  Moser (krank) Bachl Seiz
    Müller Ploetz
  v. Weber, Marktschreiber (Kagermayer, krank)“  

Auch der Marktschreiber von Weber hat das sieben Blätter und 14 Seiten umfassende Gesuch (einschließlich der vier Beilagen) mit unterzeichnet, das er ja selbst konzipiert und mit eigener Hand, mit besonderer Akribie, niedergeschrieben hatte. Man möchte annehmen, ein derart folgenschweres Gesuch könnte auf dem langen Dienstweg von Pfarrkirchen über Landshut nach München bis vor die Augen des Königs in der einen oder anderen Behörde liegenbleiben. Aber Bezirksamt wie Regierung in Landshut haben es erstaunlich rasch an den zuständigen Minister des Innern weitergeleitet, der es am 10. Dezember - nach nur 18 Tagen - befürwortete und mit einem Entwurf der ‘Aufnahme-Urkunde’ persönlich dem König vorlegte. Innenminister von Neumayr unterstrich darin Pfarrkirchens „geschichtliche Bedeutung ... die namhafteste Stelle im Rotthale ... “. Von Neumayrs Befürwortung schloß mit einem Riesensatz ab: „Da nach dem ehrerbietigst dargelegten Gesuch der Gemeinde Pfarrkirchen die geschichtliche und statistische Bedeutung des Ortes wesentlich unterstützt und die allergnädigste Gewährung desselben zugleich als Würdigung und Anerkennung der patriotischen Haltung der Vorfahren empfunden und geschätzt würde, so glaubt der treugehorsamst Unterzeichnete den allerunterthänigsten Antrag stellen zu dürfen: E. K. M. den Markt Pfarrkirchen in die Reihe der Städte des Königreichs allerhuldvollst aufzunehmen und dem eventuell beigefügten Entwurfe der Aufnahme-Urkunde die allergnädigste Sanktion zu ertheilen geruhen.“
In der Stellungnahme des Innenministers an den König steht auf der Titelseite folgende handschriftliche Randnotiz: „Dieses genehmigt und den betr. Urkunden-Entwurf unterzeichnet. München den 12. December 1862. Max“.
Neben dem Entwurfstext der dem König vorgelegten Aufnahme-Urkunde wurde handschriftlich in drei Zeilen untereinander notiert

„Tax 60 fl. darüber die Abkürzung:
A.G. 10 fl (Amts-Gebühr?) „exped. 22/12“
B.G. 1 fl. (Bearbeitungs-Gebühr?) (d. h. expediert, ausgeliefert am 22. Dezember)
71 fl“  

Genau vier Wochen nach Antragstellung ging also die ausgefertigte und vom König unterschriebene Urkunde den Weg zurück von München als „Amtssache. NB! Die Urkunde wird auf Pergament auszufertigen sein“ an die Regierung in Landshut (Einlauf am Christtag, dem 25. Dezember), von dort sofort weiter an das Kgl. Bezirksamt in Pfarrkirchen, wo sie am 27. Dezember 1862 eintraf.

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